Es lebt!

Mal wieder typisch: völlig zugespitzt, dieser Titel. Die Wahrheit liegt zwar darin, doch nur als kleines Perzentil. Denn eigentlich lebt hier schon eine Weile gar nichts mehr. Der letzte Eintrag ist eine Ewigkeit her. Das kann man ja nicht wirklich Blog nennen. Aber muss man ja auch nicht. Jedenfalls dachte ich kürzlich, ich könnte hier ja auch wieder mal was schreiben. Und als mir gestern etwas Seltsames passiert ist, hatte ich meinen Anlass dazu. Manchmal braucht man nämlich einen Anlass. Ich kaufe zum Beispiel erst dann eine neue Hose, wenn bei einer alten die Naht gerissen ist oder sie so verwaschen ist, dass ich mich schäme, sie anzuziehen. Wie auch immer. (Ach, wenigstens bleibe ich meinem Stil treu: wenig sagen, das aber dafür umständlich.) Gestern ist mir auf alle Fälle Folgendes passiert: Ich hab auf mein Handy geschaut und gemerkt, dass da eine App auf ist. Nein, mehrere. Viele. Was war passiert? (Das ist eine rhetorische Frage. Ich weiss, dass es euch brennend interessiert, was passiert ist.) Mein Handy hat sich in meiner Hose selbständig gemacht, Programme geöffnet, Fotos und sogar ein Video gemacht (Setting: dunkel, O-Ton: „chunsch dänn überhaupt mit dem de Berg duruf?“ – „ja, es hett siebe gäng“). Und ich lachte laut auf und sagte mir: Wäre ich ein Künstler, würde ich das als Kunst verkaufen. Aber ich bin kein Künstler. Und auch kein Blogger. Sondern einfach einer, einer von vielen und darum hier, ein paar von sehr vielen Bildern auf einer von ganz vielen Seiten in diesem one and only internet. Die Welt ist klein. Und ich bin nicht mal ein Perzentil von denen, die hier drauf wohnen.

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Alles Gute!

Happy Birthday, lieber Blog (oder liebes Blog? Das weiss man ja nie so genau. Eigentlich etwas peinlich, wenn man einen Blog schreibt, aber nicht mal weiss, ob es der oder das Blog heisst. Aber egal), du bist 5 Jahre alt. Im Juni 2007 habe ich dich ins Leben gerufen, rund ein Jahr bewirtschaftet und dann systematisch vernachlässigt. Blog, dafür möchte ich mich entschuldigen. Das hast du nicht verdient. Nein, du hast jemanden verdient, der sich um dich kümmert, der dich umsorgt, dich füttert, mit spannenden Geschichten oder lustigen oder dich zumindest mit etwas speist, das ihm am Herzen liegt. Und was mach ich? Ich müll dich mit Nonsens voll. Asche auf mein Haupt! Nein, Bloggy-Boy, ich war dir kein guter Herr bis jetzt. Und das wird sich wohl auch nicht ändern. Ich hab jedenfalls nicht viel mehr mit dir vor als bisher. Sorry, Bloggo-Bro. Ich bin das, was du verdient hast. Und umgekehrt. Also heul nicht rum! Aber eben, kurz gratulieren wollte ich trotzdem. Und ein bisschen hab ich dich ja auch gern. Bist ja ein Spiegel meiner Selbst. Und mich selbst habe ich ja auch ein bisschen gern. Lass uns einfach weiterhin sowas wie Freunde sein, einverstanden? Nein, es liegt nicht an dir. Das heisst: doch. Du bist eben einfach anstrengend. Ja, ich weiss, dass du es nicht leicht hast. Aber darüber diskutieren mag ich jetzt auch nicht. Also… naja… ich muss dann mal. Man sieht sich, okay? Wir müssen mal wieder was zusammen machen, gell. Aber diesmal vergessen wir es nicht, nein, nein, haha. Gut, hab eine schöne Zeit, in der du wieder brach liegst, ja? Und lass dich heut so richtig feiern. Bis bald, dein Master Hunzi.

Der Tod und der Töfffahrer

Um ein Haar hätte ich einen Menschen getötet. Nein, ehrlich, ist so. Und das ging folgendermassen: Ich fahre mit dem Auto Richtung meine Heimat, will sagen, in das Dorf, von dem viele denken, dass sein Zentrum die Autobahnraststätte ist. Ging aber nicht, denn: Da ist eine Baustelle. Also musste ich einen Umweg fahren, der an der Kiesgrube vorbeiführte. Worauf ich in eine Überlandstrecke einzubiegen hatte. Ich, von einer minderwertigeren Strasse kommend, hatte entsprechend keine Vorfahrt. Also blinkte ich und wartete. Ein Auto fährt vorbei – es musste geradeaus. Ein weiteres Auto blinkt, will nach rechts und fährt auch nach rechts, weil ich aber nicht sehe, was das Auto dahinter macht, fahre ich noch nicht. Gut so, denn das Auto dahinter blinkt nicht. Ergo will es geradeaus, denke ich. Stimmt aber nicht. Denn am Steuer sitzt ein Vollidiot, der einen Scheiss aufs Signale setzen gibt. Obwohl er also nicht geblinkt hat, biegt er in meine Strasse ein. Ich denke: Was für ein Vollidiot. Und fahre los. Leider habe ich vergessen, vernachlässigt oder irgendwie doch nicht so recht gesehen, dass hinter dem Vollidiot ein Motorrad fuhr (keine Ahnung, ob es geblinkt hat oder nicht). Jedenfalls will der Motorrad-Fahrer geradeaus. Und zwar mit dem Tempo, das man normalerweise auf Überlandstrecken so fährt. Ich bin aber schon etwas in der Strasse drin und habe eigentlich vor, ganz reinzufahren. Zum Glück sehe ich ihn dann doch noch und bremse sofort . Er hat mich auch erblickt, bremst, zerrt an seinem Lenker. Mein Auto wackelt. Irgendwas habe ich getroffen. Doch ich sehe den Töff weiterfahren. Der Fahrer dreht sich um und fuchtelt wild. Man muss nicht sein Gesicht sehen um zu wissen, dass er ziemlich wütend ist. Dennoch bin ich erstmal erleichtert, denn wer wütend ist, ist in der Regel nicht tot. Ich fahre bis zur nächsten Abbiegung und schaue mir mein Auto kurz an. Da kommt der Töff-Fahrer zurück, nimmt seinen Helm ab, streicht sich seine verschwitzten Haare aus der Stirn und sagt: „Kannst du nicht besser aufpassen!?“ Zwar sagt er es einigermassen aufgebracht, aber doch ist es viel harmloser als ich es erwartet hätte. Und da ich weiss, dass ich die brenzlige Situation verschuldet habe, entschuldige ich mich ausgiebig – und sicherlich auch glaubwürdig, da aufrichtig. Jedenfalls ist er sofort milde gestimmt und erzählt mir, das wäre beinahe sein dritter Unfall in kürzester Zeit geworden, zeigt mir seine Narben an den Unterarmen und führt aus, dass er ein halbes Jahr im Krankenhaus lag. Sofern ich mich recht erinnere. Ich denke, er ist jünger als ich. Sein Motorrad ist nagelneu, er ist damit gerade mal 60 Kilometer gefahren. Er zeigt mir die Stelle am Auspuff, wo eine Schliere zu sehen ist. Da ist sein Fuss, zwischen mein Auto und Töff geraten. Auch über meiner Stossstange hat es am Plastik einen Strich. Ich hatte ihn also wirklich touchiert. Wir sprechen noch ein wenig darüber, wie viel Glück er hatte und wie schlimm der Unfall hätte ausgehen können. In unserer Erleichterung sind wir beide redselig geworden. Und wohl auch sentimental. Denn eigentlich würde ich ihn gerne einladen, mit mir etwas trinken zu gehen. Natürlich auch, weil es mir leid tut. Und ich einfach nur froh bin, dass dieser junge Mann, den ich vorher noch nie gesehen habe, am Leben ist. Und nicht in mein Auto reingedonnert, über die Kühlerhaube geflogen, auf den Astphalt geprallt ist. Und sich nicht irgendwas geprellt, den Fuss verstaucht oder gebrochen, den Rücken ruiniert oder sich zum Krüppel gestürzt hat. Ich bin froh, ist er nicht wütend, aggressiv oder tot. Wir sind froh. Dass wir beide reagiert haben. Dass wir so grosses Glück hatten. Dass wir kurz darüber sprechen konnten. Und so tauschen wir noch ein paar Plattitüden aus. Es ist egal, was wir sagen, es geht vielmehr darum, uns zu beruhigen, uns zu zeigen, dass wir uns auch um Unbekannte sorgen und uns nicht egal ist, was mit ihnen passiert. Ich sage zum wiederholten Mal „nichts für ungut“, wir wünschen uns einen schönen Tag und gute Fahrt und verabschieden uns mit einem Händedruck. Als ich wieder einsteige, fühle ich mich, als hätte ich soeben eine Bewältigungs-Therapie absolviert. Ich bin ruhig und ausgeglichen, fast schon etwas euphorisch. Zum Glück, denke ich, habe ich diesen Menschen nicht getötet.

Eindeutig zweideutig

Vor ziemlich genau fünf Jahren habe ich einmal in einem Artikel behauptet, Frauen seien nicht lustig. Eine abgeänderte Version davon kann man noch hier lesen: http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/195885.html
Jedenfalls waren die Reaktionen darauf ziemlich heftig. Wütende Frauen wollten mich kastrieren – oder noch schlimmer: mir einreden, ich sei im Unrecht. Interessanterweise wollten mich alle davon überzeugen, dass sie Humor hatten, indem sie auf mich einschrieben. Obwohl es doch so einfach gewesen wäre, ihren Humor zu beweisen: Sie hätten bloss zu schreiben brauchen, dass sie herzlich über meinen Artikel gelacht hätten. Auch wenn es nur ein Auslachen gewesen wäre. Stattdessen schrieben sie mir Sachen wie: Wir Frauen sind imfall sehr lustig, denn wenn wir Frauen zusammen irgendwohin gehen, lachen wir immer ganz viel. Was für ein Argument… Oder aber es hiess: Wir Frauen sind sehr wohl lustig. Nur übersteigt der weibliche Humor den der Männer derart, dass diese ihn nicht verstehen. Jaja. Noch andere rezitierten Blondinen- und ähnliche Witze, um einen Punkt zu markieren. Höchst erbärmlich. Wie auch immer. Es gab eine Reaktion einer Leserin, die mir immer in Erinnerung bleiben wird. Denn anstatt irgendetwas zu schreiben, schickte sie mir dieses Bild:

Und nein: Der Balken war nicht inklusive. Den hab ich jetzt hingepflastert. Um euch, liebe Blog-Leser zu schützen. Ich zumindest war schockiert und beeindruckt zugleich. Das erforderte Mut. Aber Humor? Vielleicht auch, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher. Aber da der Arsch doch den einen oder anderen Pickel aufwies, schrieb ich ihr zurück, das seien ja nicht gerade gute Argumente. Das wars. Vielleicht einer der interessantesten und kürzesten E-Mail-Wechsel, den ich je hatte.

Und wo wir beim Thema sind: Ich hatte ja noch versprochen, meinen Parkett-Boden zu zeigen. Dazu gibts eigentlich nicht viel zu sagen, ausser: Er ist ein echter Grüsel, mein Boden. Die zwei Bilder passen doch hervorragend zusammen, nicht?

«Du bist ein Nerd»

Ich habe ja schon vor längerer Zeit gemutmasst, dass ab und zu auch Leute auf diese Seite schauen, die mich nicht kennen. Und ich sie auch nicht. Was sind das für Menschen? fragte ich mich. Und warum?
Diese Fragen beantwortet uns nun meine Blog-Leserin Viola. Sie ist nicht erfunden und wir haben dieses Interview tatsächlich via E-Mail geführt. Ferner sind wir weder verwandt, noch verschwägert, noch uns irgendwie bekannt.

Wie bist du auf diesen Blog gestossen?
Eine Freundin hat mir geschrieben, dass in unserem Forum ein Link gepostet wurde über Nierensteine! Und dass sie sehr darüber lachen musste! Sie hat mir den Link über Skype geschickt- und ich hab den Artikel gelesen.

Es ist aber kein Medizin-Blog. Warum hast du weitergelesen?
Naja, zuerst weil mir langweilig war. Weil ich wirklich herzhaft lachen musste. Außerdem gefällt´s mir, wie Du Deine Umwelt beobachtest und das Ganze dann auch noch spannend wiedergibst. Du hast echt eine gute Beobachtungsgabe! „Harter Schlag für die Weichteile“ war auch so ein Beitrag, den ich super finde! Ja, ich sag zum Penis auch Penis, weil ich halt einfach auf einen richtigen Penis stehe und mir keine Fantasienamen ausdenken muss, nur weil ich über einen Penis reden will! Bob Ross – was würde ich ohne ihn und BRalpha machen, wenn ich nicht einschlafen kann. Naja, Du triffst meinen Geschmack halt ziemlich oft….

Rein theoretisch: Wenn es Dinge gäbe, die du an diesem Blog nicht so gut fändest, was könnte das sein?
Deine Posterei von irgendwelchen Links, die leider nicht mehr funktionieren!

Warum interessierst du dich überhaupt für das Leben eines jungen Schweizers?
Naja, von Deinem Leben schreibst Du ziemlich wenig! Vielleicht am Anfang! Aber mittlerweile postest Du vielmehr über Dinge, über die Du Dir Gedanken machst. Weniger was Du so unternimmst oder wie Dein Privatleben ausschaut! Muss ja auch nicht sein!

Kanntest du den Autor des Blogs, bevor du per zufall auf ihn gestossen bist?
Nein!

Wie stellst du dir den Hunzecker vor? Wie ist er? Was macht er so?
Ich denke mal Du schaust aus wie Marky Mark! Du bist ein bisschen ein Nerd (das ist jetzt nicht böse gemeint) – Badminton, was für eine Sportart! Und ohne Ohrstöpsel in keinen Club!! Und wenn Du krank bist, wirst Du gerne bemitleidet! 2 mal Diarrhoe, einmal Grippe, einmal Nierensteine! Aber hey, find ich sehr sympathisch! Ich denke mal Du arbeitest bei einem Verlag/Zeitung/ähnliches! Was Du so in Deinem Privatleben machst? Keine Ahnung? Freunde, Lesen, betrunken nach Hause laufen…

Denkst du, es bräuchte mehr Menschen wie den Hunzecker auf der Welt? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum täuscht du dich?
Mehr Menschen wie Dich? Vielleicht mehr Menschen, die aufmerksam durch die Welt gehen und sich Gedanken über die Dinge machen, die sie erleben! Und ich denke Du gehörst zu den Guten- was ich jetzt einfach mal so stehen lasse!

Welche Themen sollten auf „Dem Hunzecker sein Leben“ deiner Meinung nach häufiger und/oder intensiver behandelt werden?
Hey, ich bin doch nicht Deine Muse! Lass Dir was einfallen!

Welcher Blog-Eintrag hat dir am besten gefallen? Warum?
Es ist viel passiert!- Toll erzählt
Harter Schlag für die Weichteile- Ich glaub das hab ich oben schon ausgeführt
Egospotting- in dem Punkt sind wir uns wahrscheinlich ziemlich ähnlich
Lemento auf hohem Niveau- keine Erklärung
Ich und die Selbstdisziplin- oh je, das könnte ich sein!

Ist eine Person, die gut schreiben kann, aber die du noch nie gesehen hast, in deinen Augen attraktiver als eine, die weniger gut schreiben kann?
Nein, ich glaub nur weil man gut schreiben kann macht das jemanden noch nicht attraktiv, aber interessant! Ich denke mal Du bist ein guter Gesprächspartner! Du nimmst Dich selbst nicht zu ernst! Hast etwas zu sagen! Und kannst auch gut zuhören, weil Du gerne Deine Umwelt beobachtest!

Odyssee nach Olten

Also langsam wird mir das etwas unheimlich: 12. April 2011, 185 Seitenaufrufe. Ja um Himmels Willen, sind denn die Steuerfahnder hinter mir her? Oder noch schlimmer: die Billag? Wie dem auch sei, ich habe nichts zu verheimlichen. Im Gegenteil: Ich will ja hier etwas erzählen. Ich bin mir aber nicht mehr so sicher, ob die Odyssee nach Olten wirklich der Renner ist und als Anekdote taugt. Denn eigentlich war das ja eine mickrige Koinzidenz. An einem meiner letzten Arbeitstage auf der Redaktion des Grauens hatte ich Frühdienst und freute mich, bereits um 16.00 Uhr nach Hause gehen zu dürfen. Ich glaube, ich verliess sogar vor 16.10 Uhr das Büro und ging zum Bahnhof (normalerweise laufe ich nicht besonders schnell, aber Arbeitswege gehe ich erstaunlicherweise immer recht zügig). Ich begab mich auf das Gleis, auf welchem in aller Regel mein Zug nach Hause fährt – um 17.36 Uhr notabene. Ich glaube, es ist Gleis 15 oder 16 (übrigens gibt es ja seit Neuestem immer diese Durchsagen in den Zügen vor der Ankunft im Bahnhof, da werden die nächsten Verbindungen runtergeleiert und als ob das für einen Pendler nicht schon schlimm genug wäre, sagen viele Durchsager dann auch noch „Geleise“. Also so: „Interregio nach Basel, Chur, Genf auf Geleise 12.“ Beim besten Willen, dann doch lieber „Schiene 12“). Da mein Zug stets einigermassen gut gefüllt ist, steige ich schon rund zehn Minuten vor der Abfahrt ein, um auch auf einem besonders schönen Platz sitzen zu können. Ich hocke mich also hin, vielleicht habe ich sogar Musik gehört, ich weiss es nicht mehr, tut aber auch nichts zur Sache. Auf alle Fälle gehen auf einmal die Türen zu und ich denke mir noch „die gehen jetzt aber früh zu, der Zug fährt ja erst in zehn Minuten oder so“. Der Zug fährt los. Ich so: Oha. Um mich herum scheint aber niemanden zu stören, dass der Zug viel zu früh abgefahren ist, darum frage ich mal ganz nett den Mann von gegenüber. „Tschuldigung, wo fährt denn jetzt der Zug hin?“ Und sein Wort fuhr mir durch Mark und Bein: „Olten“. – „Ohne Halt?“, frage ich und es deucht mich, meine Stimme zittert. „Ohne Halt“, sagt er deutsch, denn er ist Deutscher. „Ach du Scheisse“ (an diese Worte kann ich mich gut erinnern, die stimmen hundert pro), mache ich und denke „Mist“. Ich rücke etwas unruhig auf meinem Sitz herum, denn ich weiss, dass demnächst eine Diskussion mit dem Kontrolleur ansteht. Und da ich die Preise der SBB kenne, rechne ich mit einem saftigen Zuschlag. Der Zug fährt am Bahnhof Altstetten vorbei, an Schlieren und gleitet (oder: geleitet) nach Killwangen-Spreitenbach in den Tunnel. Der Kontrolleur ist noch einige Abteile entfernt, doch ich lege mir schon mal die passenden Worte bereit. Als er kommt, sage ich: „Sie, ich habe ein kleines Problem.“ Hier gönne ich mir eine künstlerische Pause. „Ich will gar nicht nach Olten.“ Ich erkläre ihm, dass ich in den falschen Zug gestiegen bin und eigentlich nach Baden hätte fahren wollen, in dem Zug, der auf dem Gleis gleich gegenüber gefahren wäre. Der Mann kennt die Problematik, das wurde mir nach wenigen Momenten klar. Der macht das jeden Tag. Ob ich ein gültiges Ticket hätte, fragt er mich. Ich zeige ihm meine entwertete Mehrfahrtenkarte. Er erklärt, dass ich die Differenz zwischen Baden und Olten bezahlen müsse, der Rückweg werde mir jedoch erlassen. Ich bin überrascht und sage so etwas wie „oh“. Mit so viel Kulanz hätte ich nicht gerechnet. Da ich ein Halbtax habe, muss ich nur 18 Franken zahlen – ja, ich glaube, in etwa so viel waren es. Der Mann schreibt mir sogar noch die nächsten Verbindungen aufs Billet: Sofern ich nicht einen dieser Züge nach Baden nehme, ist das Ticket mit dem Titel „irrtümliche Fahrt“ (oder so ähnlich) nicht gültig. Ziemlich fair, finde ich. Und doch bleibt ein Nachgeschmack. Wenn ich mir hätte aussuchen können, wohin ich mich verfahre, dann wäre meine Wahl sicher nicht auf Olten gefallen. Warum musste ich mich bloss nach Olten verirren? Warum nicht Olaine oder Oleggio? Olten ist doch der absolute Un-Ort. Immerhin ein gut vernetzter. Jedenfalls hatte ich keine zwei Minuten nach meiner Ankunft den Zug zurück nach Baden und kam so eine Stunde verspätet zu Hause an. Am Ende hätte es schlimmer kommen können. Aber nicht viel.
Wie heisst das, was danach kommt? Epilog, oder? Und zwar waren es geschätzte ein paar Tage später, als ich erneut im Zug am Bahnhof sass und es über die Lautsprecher hiess: „Willkommen im Interregio nach Olten, zweites kaff, drittes Kaff.“ Ich schnappte meine Tasche und sprang aus dem Zug. Auf dem Perron sah ich hoch zur Anzeigentafel, da stand weiss auf blau: „Baden, etc.“ Ich stieg wieder ein und brachte die anderen Passagiere, die ebenfalls aufgesprungen waren dazu, sich wieder zu setzen. „Alles okay, er fährt nach Baden.“ „Uff“ sagten die anderen nicht, aber es sah so aus.

Die Enden kommen

Nur ganz kurz, ich hab jetzt keinen Bock, etwas zu schreiben. Aber bald komme ich wohl dazu. Ich möchte dennoch die Gelegenheit nutzen, hier die paar Sachen zu notieren, die ich gerne in naher Zukunft behandeln möchte. Und zwar wäre das: das Ende meiner Zeit als Soldat, das Ende meiner Zeit auf der vielleicht schlimmsten Redaktion der Schweiz, meine Odyssee nach Olten, mein zweideutiger Parkettboden (Facebook-Menschen kennen ihn schon), vielleicht zwischendurch wieder etwas Aufgewärmtes und glaubs noch zwei, drei andere Themen, die mir wieder einfallen werden.
Als kleiner Vorgeschmack ein Auszug aus meinem Dienstbüchlein: Ist er nicht schön?

Statistik, Popistik

Kürzlich bekam ich ein Mail von WordPress, also vom Verwalter meines Blogs. Er gratulierte mir zu der Bewirtschaftung des Blogs im letzten Jahr. Das hätte ich ganz toll gemacht. So richtig konnte ich das nicht nachvollziehen, denn ich habe es sicher nicht ganz toll gemacht. Betrachten wir das Ganze doch mal objektiv: 5600 Mal sei mein Blog im letzten Mal angeklickt worden. Das finde ich eigentlich ganz schön viel, zumal wirklich fast nichts lief in dieser Zeit. Ich habe sage und schreibe 7 Einträge geschrieben und ganze sechs Bilder raufgeladen im letzten Jahr. Wow. Am Hektischsten ging es offenbar am 4. Dezember zu, da wurde mein Blog 92 Mal angeklickt. Verrückt, oder? Man muss jedoch annehmen, dass sich die meisten hierher verirrt haben, denn die meisten kamen auf meinen Blog, weil sie die Begriffe escher, escher bilder, das leben ist eines der härtesten, das leben ist eins der härtesten, and lustige karikaturen eingaben. Ebenfalls lustig: Die meistgelesenen Beiträge stammen aus dem Jahr 2009. Ich führe hier also einen etwas anachronistischen Blog. Ist aber nicht weiter schlimm. Oder? Es gibt halt Wichtigeres als Blogs zu schreiben. Und wenn man eh jeden Tag mit Schreiben zu tun hat, ist man meist am Abend nicht mehr ganz so wild darauf, noch irgendwas runterzutippen. Aber mal schauen, vielleicht steht ja doch mal wieder was hier. Ich bin zumindest gewillt, meine Beitrags-Bilanz in diesem Jahr zumindest aufrecht zu erhalten.  

Autsch! Gerade noch gesehen: Einer hat nach „Penis Katheter selber bauen“ gesucht und meine Seite gefunden. Ich möchte diesem Menschen nur eines sagen: Tus nicht!