Da Weasel
Oktober 8, 2010
Einmal, vor ein paar Jahren, hatte ich auch mal den Sohn von Frank Zappa am Telefon. Das klang dann so:
Dweezil ist der Sohn von Frank Zappa. Frank Zappa war der Grosse mit der Nase, dem Schnurrbart und der tiefen Stimme. Der Lieder machte wie „Bobby Brown“, „Why does it hurt when I pee“ oder “don’t eat the yellow snow”. Der seiner Tochter den Namen „Moon Unit“ gab. Der ein Genie war, irgendwie, und doch von vielen nur als kauziger Künstler wahrgenommen wurde. Der 1993 an Prostatakrebs starb. Sein Sohn Dweezil ist also am Apparat. Er hofft, dass er vor allem über die Tour reden wird. Familie Zappa ist nämlich auf eine Tribute-Tournee mit den Songs von Frank, zu Ehren von Frank. Dweezil sagt nicht „mein Vater“, Dweezil sagt „Frank“. Seine Stimme klingt wie der Countdown zum Raketenstart über ein altes Radio. Wenn sein Name wirklich „Dawiisil“ (von „the weasel“) ausgesprochen wird, dann heisst das soviel wie „das Wiesel“. Sein Vater soll ihn nach seinem kleinen Zeh benannt haben. Dweezil kann sehr gut Gitarre spielen. Seine Musik („my guitar wants to kill your mama“) kann man sich auch nur anhören, wenn man selbst sehr gut Gitarre spielen kann. Dann darf man sagen, „wow, was der alles aus seinem Instrument rausholt.“ Für die, die sie als solche erkennen, ist es geniale Musik. Wie die von Frank Zappa. Für die anderen ist es Musik für Randständige. Kein Mainstream, eher ein Dorfbach. Nun spielt also Dweezil die Musik seines Vaters („niemand spielt wie Frank“). Und auch den Missionaren. „Wenn man nur die bekanntesten Lieder von Frank kennt, hat man einen falschen Eindruck von dem, was er war.“ Der Mann mit der Radiostimme lässt einem nicht viel anderes übrig, als „M-hm“ zu sagen. Er könnte sonst aufhören zu sprechen. Was schade wäre. „Frank hat nicht nur Lieder mit komödiantischen Drehs gemacht, sondern auch mit Tiefe und Raffinesse.“ Seine äähs und öööhms kratzen angenehm. Mehr als Standardantworten kann er auf die Frage, warum man die Musik eines Toten einer jüngeren Generation zugänglich machen sollte, trotzdem nicht liefern. Offenbar ist es wichtig, zu zeigen, wie jemand war, der aufgehört hat, zu sein. Aber warum soll man sich die Musik von Frank Zappa gespielt von seinen Nachfahren anhören, wenn man seine CDs kaufen kann? „Wir wollen seine Musik verbreiten – auf die authentischste Art. Das ist ein Weckruf.“ Dieselbe Antwort hätte er auf jede andere Frage gegeben. „Um seine Musik schätzen zu können, muss man sie kennen.“ Erst beim Konzert merkt man, wie recht Dweezil hat. Wer „Zomby Woof“ oder „Sofa“ nicht schon im Ohr hatte, bekundet Mühe, vor lauter Tönen die Melodie zu finden. Es ist dann nur Zwölfton-Popmusik – wenn auch auf sehr hohem Niveau. Zwar perfekt gespielt, aber dennoch schwer verständlich. Die Besessenheit von der Musik und die Überzeugung von der eigenen Genialität hat Dweezil mit seinem Vater gemein. „Man muss Franks Musik so spielen wie sie transkribiert ist. Er war ein Komponist. Seine Werke sind nicht offen für Interpretationen. Wenn es jemand anders spielt, als notiert, spielt er es falsch.“ Doch wer die Musik des verrückten Frank Zappa auf den Ton nachspielt, kann auch nicht mehr ganz bei Sinnen sein, denkt man und fühlt sich fast bestätigt, wenn man Dweezil auf der Bühne sieht. Wie er beim Spielen zufrieden lächelt, als würden ihm die Füsse massiert. Und das ohne Drogen. Die braucht Dweezil gar nicht, er wird high von der Musik. „Franks Songtexte waren prophetisch“, sagt er und man versteht zuerst „pathetic“, „er war seiner Zeit voraus.“ „Aha.“ Dennoch hilft Dweezil dem musikalischen Nostradamus, dem Genie Frank Zappa, posthum etwas auf die Sprünge. „Frank hat 70 Platten veröffentlicht. 12 erschienen nach seinem Tod und wir könnten immer noch 30 nachschieben.“ Und obwohl es sehr nett war und blabla hört man sich sagen: „Unsere Zeit ist schon fast um. Vielen Dank.“

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